James Bond - Ein Quantum Trost

einquantumtrost_poster_07.jpgWeniger Bond war nie.
Okay, dem Namen nach hat man es mit einem Bond-Film zu tun. Auch die Tatsachen, dass James Bond noch die Hauptrolle spielt und M seine Chefin ist, belegen: „Ein Quantum Trost“ ist ein Bond-Film.
Aber eigentlich nicht.
Denn dies sind schon die einzigen Tatsachen, die dafür sprechen. Dafür sprechen etliche dagegen.
Noch nie war so wenig Bond in einem Bond-Film. Fast könnte man meinen, die Produzenten schämen sich dermaßen für ihre Serie, dass sie im Über-Bord-Werfen ihre einzige Rettung sahen.
Dabei hatten sie mit dem Vorgänger „Casino Royale“ gezeigt, wie man es macht – denn der hatte trotz allen Bemühens um einen Reboot des Franchises immer noch den Anspruch, als Bond-Film erkannt zu werden. Es wurde variiert und neu interpretiert, aber erkennbar war der alte Geist noch immer.
Mit „Ein Quantum Trost“ ist das vorbei. Dabei begeht der Film mehrere Sünden: Zum einen biedert er sich an einen vom wem auch immer definierten Zeitgeist an, spult längst Gesehenes ab, bedient sich abgedroschener neumodischer Stilmittel wie nervtötende Wackelkamera und viel zu schneller Schnitte und erklärt damit die „Bourne“-Trilogie zum Vorbild – das ist unverständlich wie ärgerlich.
Noch schlimmer: Der Film hat keine tragende Story. Die bislang kürzeste Laufzeit eines Bond-Films überhaupt von 106 Minuten hat nichts mit hohem Erzähltempo und Ereignisdichte zu tun, sondern mit Inhaltsleere. Dem Drehbuch fehlt schlicht die Substanz, einen Zweistünder zu tragen. Und selbst die verbleibende Zeit möchte die Story weder mitreißen noch überzeugen.
Bond nach dem Heuler „Stirb an einem anderen Tag“ wieder realistischer sein zu lassen, war eine gute Entscheidung – aber wer braucht einen hyperrealistischen Bond, in dem die Bösewichte einfach nur böse, aber kein Stück weit hirnverbrannt sind wie sonst?
„Ein Quantum Trost“ versteckt alles, was Bond seit über 40 Jahren ausmacht. Es gibt nicht einen Funken Humor, und der Bond-eigene Esprit, die abgehobenen Settings, der Jet-Set, der Stil, das Überdrehte: Alles ist weg.
Übrig bleibt ein recht kurzer und dennoch langatmiger Reißer ohne Stil, dessen Action-Einlagen im Wackelkamera-Kuddelmuddel unübersichtlich sind – wieder ein Fehler: Jeder Bond hatte mindestens eine spektakuläre Action-Szene, deren Ausmaße von Film zu Film aberwitziger wurden. Denkwürdig in diesem Zusammenhang: Die 15-minütige Einleitungssequenz des Brosnan-Bonds „XXX“, in der man sich mit Booten auf der Themse und den Straßen Londons ein Gefecht lieferte – oder die abgefahrene Panzer-Sequenz in „Goldeneye“: Gefilmt mit einer Kamera, die auch aus der Ferne und in Totalen das wahre Ausmaß der Zerstörung zeigte. Das findet man nun vergeblich.
Das Action-Intro von „Ein Quantum Trost“ ist zwar reißerisch, aber so nah dran am Geschehen, dass einem der Überblick fehlt. So zackig und zerhackt, dass man nur schwer Geschehenes und Zusammenhang herausfiltern kann.
Und mit schätzungsweise 3 Minuten viel zu kurz.
Auch die Musik: Wo ist da Bond? Ein schmetterndes Action-Crescendo, austauschbar wie der ganze Rest dieses Films.
Bond als gebrochenen Helden darzustellen: In Ordnung. Bereits bei Brosnan ging man dazu über, die Figur verletzlicher und weniger übermenschlich darzustellen.
Das dramatische Finale in „Casino Royale“ verlangte auch einen gebrochenen Helden – aber Bond als rachsüchtiges, nihilistisches Arschloch?
Hier tut man zu viel des Guten – doch wäre es mit einer tragfähigen, interessanten Geschichte verzeihlicher gewesen. Bis kurz vor knapp sitzt man im Kino und fragt sich, was das Ganze überhaupt soll. So kann der Film kaum seine Schwächen mit Stärken ausgleichen.
Zwischendurch übertreibt man es mit Technik-Firlefanz wie dem interaktiven Tisch im Konferenzraum des britischen Geheimdienstes oder der überzogenen Monitordarstellung in Ms Büro.

Nein, dieser Bond macht keinen Spaß – nur ein Quantum Trost bietet der Film: Dass der nächste besser werden möge.

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